{"id":87,"date":"2012-09-19T22:06:11","date_gmt":"2012-09-19T22:06:11","guid":{"rendered":"http:\/\/sprachtheorie.de\/?page_id=87"},"modified":"2017-07-05T12:21:59","modified_gmt":"2017-07-05T12:21:59","slug":"den-rhythmus-entdecken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/sprachtheorie.de\/?page_id=87","title":{"rendered":"Den Rhythmus entdecken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/sprachtheorie.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/studie-50-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-417\" title=\"studie 50-1\" src=\"https:\/\/sprachtheorie.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/studie-50-1-209x300.png\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/sprachtheorie.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/studie-50-1-209x300.png 209w, https:\/\/sprachtheorie.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/studie-50-1.png 529w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a>Die Sprache als Ansammlung von Zeichen mit je einer Ausdrucks- und einer Inhaltsseite: Man kann sich keine Vorstellung der Sprache denken, die statischer w\u00e4re und weniger dem entspr\u00e4che, was sie zu beschreiben vorgibt. Denn das Zeichen verstellt den Zugang zur Sprache als <em>T\u00e4tigkeit<\/em>, die bei jedem Sprechen, neu und unvorhersehbar gestaltet wird, unvorhersehbar wie der n\u00e4chsten Satz, den wir h\u00f6ren oder sprechen, lesen oder schreiben und dessen Sinn wir nicht kennen, bevor er nicht ge\u00e4u\u00dfert wurde. Um die Sprache von der T\u00e4tigkeit her zu denken, ist es notwendig, sie nicht mehr von der <em>langue, <\/em>also der Einzelsprache, her zu denken, sondern vom discours, d.h. von der Sprache als Rede. Meschonnic kn\u00fcpft daher an Emile Benvenistes Untersuchungen zur Funktionsweise der Rede (frz. discours) an: &#8222;Was ich hier unternehme, ist nur m\u00f6glich durch Benveniste und zielt nur darauf ab, ihn fortzuf\u00fchren.&#8220; (\u201eCe que j&#8217;entreprends ici n&#8217;est possible que par Benveniste et ne vise qu&#8217;\u00e0 le continuer.&#8220; Meschonnic 1982, 45).<\/p>\n<p>Emile Benveniste, den Tzvetan Todorov als den bedeutendsten franz\u00f6sischen Sprachwissenschaftler des 20. Jahrhunderts bezeichnet hat (Benveniste 2012) und dessen Werk in Deutschland auch unter Linguisten noch immer so gut wie unbekannt ist, unterscheidet zwischen der Dom\u00e4ne des Zeicheninventars und der Dom\u00e4ne der Sprache als T\u00e4tigkeit, indem er den Begriff der doppelten Bedeutungsweise einf\u00fchrt (&#8222;double signifiance&#8220;, Benveniste 1969, 63). Auf diese Weise l\u00e4sst sich die Sprache zum einen als Zeichensystem beschreiben, n\u00e4mlich dann, wenn man nur die Ebene des Einzelsprachsystems, also der <em>langue, <\/em>ber\u00fccksichtigt. Auf dieser Ebene ist die semiotische Bedeutungsweise (signifiance s\u00e9miotique) angesiedelt, bei der es um Funktionsweise der Sprache als Zeichensystem geht, um die Elemente und Kombinationsregeln, aus denen die Einzelsprache besteht. Zum anderen realisiert sich die Sprache aber auf der Ebene der Rede (discours), was etwas vollkommen anderes ist, denn nur hier gibt es eine semantische Bedeutungsweise (signifiance s\u00e9mantique), welche ebensowenig aus der semiotischen abgeleitet werden kann, wie die tats\u00e4chlich ge\u00e4u\u00dferten S\u00e4tze einer Sprache aus deren Wortschatz. Dieser Punkt ist f\u00fcr Benveniste entscheidend: Die Rede l\u00e4sst sich nicht als blo\u00dfe Anwendung der in dem Einzelsprachsystem vorgegebenen M\u00f6glichkeiten begreifen, sondern besitzt eine eigene sprachliche Realit\u00e4t, ihre Funktionsweise ist semantisch, nicht semiotisch, und deshalb bedarf sie auch einer eigenen Terminologie zu ihrer Beschreibung:<\/p>\n<blockquote><p>Tats\u00e4chlich bildet die Welt des Zeichens eine in sich abgeschlossene Welt. Vom Zeichen zum Satz gibt es keinen \u00dcbergang, weder durch syntagmatische Umformung, noch auf eine andere Weise. Sie sind durch einen Graben voneinander getrennt. Man muss daher zugeben, dass die Sprache zwei unterschiedliche Bereiche enth\u00e4lt, die jeweils ihre eigene Begrifflichkeit verlangen.&#8220; (\u201eEn r\u00e9alit\u00e9 le monde du signe est clos. Du signe \u00e0 la phrase il n\u2019y a pas de transition, ni par syntagmation ni autrement. Un hiatus les s\u00e9pare. Il faut d\u00e8s lors admettre que la langue comporte deux domaines distincts, dont chacun demande son propre appareil conceptuel.&#8220; Benveniste 1969, 65).<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Einzelsprache zu beschreiben vermag, kann deshalb noch nicht die semantische Funktionsweise einer konkreten Rede erkl\u00e4ren. Denn in der Rede ereignen sich sprachliche Prozesse, die es in der <em>langue <\/em>nicht gibt: Dazu geh\u00f6rt insbesondere der Sinn, die Referenz, die Situativit\u00e4t (Zeitlichkeit und R\u00e4umlichkeit) und die Performativit\u00e4t sprachlichen Handelns. Der Interdependenz von \u00c4u\u00dferungsakt und \u00c4u\u00dferungssubjekt kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu, denn sie ist die Voraussetzung f\u00fcr das, was man Subjektivit\u00e4t nennt. In jedem Sprechen verortet sich das Subjekt, zeitlich und r\u00e4umlich im Hier und Jetzt der Rede. Es bezieht sich auf Gesagtes, auf sein Gegen\u00fcber, auf die &#8222;Welt&#8220; und schafft durch diese Verkn\u00fcpfungen das, was man \u201eSinn\u201c nennt. Sinn und Subjekt geh\u00f6ren deshalb untrennbar zusammen. Das eine kann nicht ohne das andere gedacht werden. Damit ist der Sinn keine semiotische Gr\u00f6\u00dfe mehr, er wird zu einer Aktivit\u00e4t des Subjekts in der Rede. Die\u00a0 Interdependenz zwischen Subjektivit\u00e4t und Sinn in der Sprache erkl\u00e4rt Henri Meschonnics Forderung nach einem Sprachdenken, das vom Rhythmus in der Rede ausgeht. Denn der der Rhythmus ist kein Zeichen, sondern eine Funktionsweise, die nur in der konkreten Rede fassbar wird, als Individuation der Sprache durch die Sprechbewegung eines Subjekts.<\/p>\n<p>Meschonnic kn\u00fcpft also direkt an Benvenistes Konzeption der Rede an, wenn er Sinn und Subjekt von der Funktionsweise der Rede her denkt. Er verdankt Benveniste aber auch eine etymologische Entdeckung, die den Begriff des Rhythmus selbst betrifft. Im Rahmen einer sprachgeschichtlichen Untersuchung war Benveniste aufgefallen dass, <em>rhythmos<\/em> im Griechischen keineswegs immer die Bedeutung &#8218;gleichm\u00e4\u00dfige Bewegung&#8216;, &#8218;taktartiger Wechsel&#8216; hatte (Benveniste 1951). Noch in der ionischen Philosophie, etwa bei Heraklit oder Demokrit wurde <em>rhythmos<\/em> im Sinne von \u201evor\u00fcbergehender Anordnung\u201c, \u201eaugenblicklicher Konfiguration\u201c gebraucht. Erst mit Plato, der vom Rhythmus im Zusammenhang mit dem Tanz spricht, wird der Begriff dann in der Bedeutung regelm\u00e4\u00dfige Bewegung gebraucht und mit dem zahlenm\u00e4\u00dfig determinierten Metrum verbunden.<\/p>\n<p>Meschonnics Bezugnahme auf die vorplatonische Bedeutung des Wortes <em>rhythmos<\/em> hat dies nichts von einer Nostalgie des Ursprungs. Es geht ihm im Gegenteil um die Geschichtlichkeit des Begriffs und die Erkenntnis, dass das, was man f\u00fcr die Natur der Sache halten k\u00f6nnte (Rhythmus = Metrum), tats\u00e4chlich lediglich eine Etappe in der Begriffsgeschichte darstellt. Nur wenn der Begriff aus seiner metrischen Tradition gel\u00f6st wird, wird man verstehen k\u00f6nnen, was er f\u00fcr die Beschreibung der Subjektivierung und der Individuation der Sprache in der Rede zu leisten vermag. Deshalb hat der Rhythmus bei Meschonnic nichts vom platonischen Rhythmus, er ist weder ein Takt, noch ein Wiederholungsmuster oder gar ein Versma\u00df. Vielmehr erweist er sich wie der Sinn und die Rede selbst als durch und durch geschichtlich, also als unvorhersehbar, jedesmalig, ver\u00e4nderlich, eben als momentane Sinngestaltung. Der Rhythmus ist die Bewegung des Sprechens auf allen Ebenen der Sprache, also auch die Bewegung des Sinns in der Rede, die Sinngestaltung durch den Sprecher im Augenblick des Sprechens:<\/p>\n<blockquote><p>Ausgehend von Benveniste, kann der Rhythmus nicht mehr eine Unterkategorie der Form sein. Er ist eine Gestaltung (Anordnung, Konfiguration) eines Ganzen. Wenn der Rhythmus in der Sprache ist, in einer Rede, dann ist er eine Gestaltung (Anordnung, Konfiguration) der Rede. Und da die Rede sich nicht von ihrem Sinn trennen l\u00e4sst, l\u00e4sst sich der Rhythmus nicht vom Sinn dieser Rede trennen. (\u201eA partir de Benveniste, le rythme peut ne plus \u00eatre une souscat\u00e9gorie de la forme. C&#8217;est une organisation (disposition, configuration) d\u2019un ensemble. Si le rythme est dans le langage, dans un discours, il est une organisation (disposition, configuration) du discours. Et comme le discours n\u2019est pas s\u00e9parable de son sens, le rythme est ins\u00e9parable du sens de ce discours.&#8220; Meschonnic 1982, 70).<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch dieser Sinn ist nicht mehr durch das Sprachsystem vorgegeben. Er entsteht bei jedem Sprechen neu, durch das Sprechen, durch den Sprecher. Er ist eine T\u00e4tigkeit, die T\u00e4tigkeit eines Subjekts, das sich in jedem \u00c4u\u00dferungsakt neu artikuliert und in der Sprache manifestiert. Meschonnics Theorie des Rhythmus ist daher vor allem eine Theorie des Subjekts in der Sprache:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn der Sinn eine T\u00e4tigkeit des Subjekts ist, wenn der Rhythmus eine Gestaltung des Sinns in der Rede ist, so ist der Rhythmus notwendigerweise eine Gestaltung oder Konfiguration des Subjekts in seiner Rede. Eine Theorie des Rhythmus in der Rede ist also notwendigerweise eine Theorie des Subjekts in der Sprache. (\u201eSi le sens est une activit\u00e9 du sujet, si le rythme est une organisation du sens dans le discours, le rythme est n\u00e9cessairement une organisation ou configuration du sujet dans son discours. Une th\u00e9orie du rythme dans le discours est donc une th\u00e9orie du sujet dans le langage.&#8220; Meschonnic 1982, 71).<\/p><\/blockquote>\n<p>Somit l\u00e4sst sich der Rhythmus weder von der Rede selbst isolieren, noch als eine autonome Ebene innerhalb der Rede erfassen, denn f\u00fcr den Sinn, f\u00fcr die Ausrichtung des Sinns k\u00f6nnen alle Elemente der Rede bedeutsam sein. In Meschonnics Begriffsbestimmung des Rhythmus spielen daher sehr viele Aspekte der Spracht\u00e4tigkeit eine Rolle:<\/p>\n<blockquote><p>Ich definiere den Rhythmus in der Sprache als die Gestaltung von Merkmalen, durch die die Signifikanten, seien diese sprachlich oder (vor allem bei m\u00fcndlicher Kommunikation) au\u00dfersprachlich, eine spezifische Semantik hervorbringen, welche sich von der lexikalischen Bedeutung unterscheidet, und die ich die Bedeutungsweise [signifiance] nenne; damit sind diejenigen Werte gemeint, die einer und nur dieser einen Rede angeh\u00f6ren. Diese Merkmale sind auf allen \u00bbEbenen\u00ab der Sprache zu finden: auf der akzentischen, der prosodischen, der lexikalischen, der syntaktischen. Zusammen bilden sie eine Paradigmatik und eine Syntagmatik, die den Begriff der Ebene gerade aufl\u00f6sen. Im Gegensatz zur g\u00e4ngigen Reduzierung des \u00bbSinns\u00ab auf das rein Lexikalische ist die gesamte Rede an der Bedeutungsweise beteiligt, sie ist in jedem Konsonanten enthalten, in jedem Vokal, in jeder Silbe, die in ihrer syntagmatischen und paradigmatischen Funktionsweise die Bildung von Reihen bewirkt. Somit sind die Signifikanten sowohl syntaktische als auch prosodische Einheiten. Der \u00bbSinn\u00ab liegt nicht mehr \u2013 lexikalisch \u2013 in den Worten. [&#8230;]. Der Rhythmus, der sowohl die Bedeutungsweise als auch die Bedeutung der Rede gestaltet, ist selbst die Gestaltung des Sinns in der Rede. Und da der Sinn die Aktivit\u00e4t des \u00c4u\u00dferungssubjektes bildet, ist der Rhythmus die Gestaltung des Subjekts als Rede in und durch seine Rede. (\u201eJe d\u00e9finis le rythme dans le langage comme l&#8217;organisation des marques par lesquelles les signifiants, linguistiques et extralinguistiques (dans le cas de la communication orale surtout) produisent une s\u00e9mantique sp\u00e9cifique, distincte du sens lexical, et que j&#8217;appelle la signifiance: c&#8217;est-\u00e0-dire les valeurs, propres un discours et un seul. Ces marques peuvent se situer \u00e0 tous les \u00bbniveaux\u00ab du langage: accentuelles, prosodiques, lexicales, syntaxiques. Elles constituent ensemble une paradigmatique et une syntagmatique qui neutralisent pr\u00e9cis\u00e9ment la notion de niveau. Contre la r\u00e9duction courante du \u00bbsens\u00ab au lexical, la signifiance est de tout le discours, elle est dans chaque consonne, dans chaque voyelle qui, en tant que paradigmatique et syntagmatique, d\u00e9gage des s\u00e9ries. Ainsi les signifiants sont autant syntaxiques que prosodiques. Le \u00bbsens\u00ab n&#8217;est plus dans les mots, lexicalement. [&#8230;]. Organisant ensemble la signifiance et la signification du discours, le rythme est l&#8217;organisation m\u00eame du sens dans le discours. Et le sens \u00e9tant l&#8217;activit\u00e9 du sujet de l&#8217;\u00e9nonciation, le rythme est l&#8217;organisation du sujet comme discours dans et par son discours.&#8220; (Meschonnic 1982, 216).<\/p><\/blockquote>\n<p>Meschonnic hat seinen Rhythmusbegriff bei der \u00dcbertragung von Texten aus der hebr\u00e4ische Bibel ins Franz\u00f6sische entwickelt. Ihm fiel dabei auf, dass bislang noch keine Bibel\u00fcbersetzung versucht hatte, das althebr\u00e4ische Akzentsystem aus dem masoretischen Urtext, bei dem jeder Vers durch ein abgestuftes System von trennenden und verbindenden Akzenten gegliedert wird und das dazu dient, den m\u00fcndlichen Vortrag zu notieren, mitzu\u00fcbersetzen. Tats\u00e4chlich ist aber die Akzentuierung von zentraler Bedeutung f\u00fcr die semantische Organisation der Texte. Denn sie gewichtet den Sinn und schafft so die Sprechweise und damit den jeweiligen Rhythmus des Textes. Meschonnic versuchte daher, die unterschiedliche St\u00e4rke der Akzente durch verschieden gro\u00dfe Leerbl\u00f6cke zwischen den einzelnen Wortgruppen wiederzugeben. So lautet beispielsweise der erste Vers aus dem in der Lutherbibel als <em>Prediger<\/em> bezeichneten Buch bei Meschonnic:<\/p>\n<blockquote><p>Paroles\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 du Sage fils de David\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 roi\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 dans Jerusalem<\/p>\n<p>(Worte\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 des Weisen, Sohn Davids\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 K\u00f6nig\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 in Jerusalem.<\/p>\n<p>Meschonnic 1970, 135).<\/p><\/blockquote>\n<p>Erst durch die rhythmische Segmentierung treten der betonungsreiche Sprechduktus und damit auch der feierliche Ank\u00fcndigungscharakter des Verses hervor. In der deutschen Einheits\u00fcbersetzung, die die rhythmische Organisation vernachl\u00e4ssigt, erscheint der Vers dagegen wie eine zusammengest\u00fcckelte Aufz\u00e4hlung ohne jeden Spannungsbogen:<\/p>\n<blockquote><p>Worte Kohelets, des Davidsohnes, der K\u00f6nig in Jerusalem war<\/p>\n<p>(Einheits\u00fcbersetzung 1980, 720).<\/p><\/blockquote>\n<p>Die rhythmische Organisation eines Textes l\u00e4sst sich beschreiben, das hat Meschonnic in seinen Analysen zu Baudelaire, Hugo und anderen immer wieder gezeigt. Dass dies auch im Deutschen m\u00f6glich ist, habe ich 1999 in \u201eDer Rhythmus in der Rede\u201c und 2006 in \u201eZwischen Wort und Wort\u201c versucht nachzuweisen. Gleichwohl bleibt Meschonnics Theorie unabgeschlossen, denn die Forschungs- und Reflexionsfelder, die sie er\u00f6ffnet, sind gegenw\u00e4rtig noch unabsehbar. Was auch bedeutet, dass die Fragen, die sie aufwirft und die Perspektiven, die sie erm\u00f6glicht, weiter produktiv bleiben.<\/p>\n<p>Hans L\u00f6sener, 2012<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur <\/strong><\/p>\n<p>Benveniste, Emile (1951): Der Begriff des \u00bbRhythmus\u00ab und sein sprachlicher Ausdruck. In: Derselbe: Probleme der allgemeinen Sprachwissenschaft. \u00dcbersetzt von Wilhelm Bolle. M\u00fcnchen: List 1974 S. 363\u2013373.<\/p>\n<p>Benveniste, Emile (1969): S\u00e9miologie de la langue. In: Derselbe: Probl\u00e8mes de linguistique g\u00e9n\u00e9rale. Bd. II. Paris: Editions Gallimard, S. 43\u201366.<\/p>\n<p>Benveniste, Emile (2012): Derni\u00e8res le\u00e7ons. Coll\u00e8ge de france 1968 et 1969. Paris: Hautes \u00c9tudes (Ehess, Gallimard, Seuil).<\/p>\n<p>Einheits\u00fcbersetzung (1980): Die Bibel, Altes und Neues Testament. Hrsg. im Auftrag der Bisch\u00f6fe Deutschlands, \u00d6sterreichs, der Schweiz, Luxemburgs, L\u00fcttchs und Bozen-Brixen, Lizenzausgabe, Freiburg im Breisgau.<\/p>\n<p>L\u00f6sener, Hans (1999): Der Rhythmus in der Rede. Linguistische und literaturwissenschaftliche Aspekte des Sprachrhythmus. T\u00fcbingen: Niemeyer.<\/p>\n<p>L\u00f6sener, Hans (2006): Zwischen Wort und Wort. Interpretation und Textanalyse. Paderborn: Fink.<\/p>\n<p>Meschonnic, Henri (1970b): Les Cinq Rouleaux (das Hohelied, das Buch Ruth, die Spr\u00fcche Salomos u.a., \u00dcbersetzungen aus dem Hebr\u00e4ischen). Paris: Editions Gallimard.<\/p>\n<p>Meschonnic, Henri (1982): Critique du rythme. Anthropologie historique du langage. Paris: Editions Verdier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sprache als Ansammlung von Zeichen mit je einer Ausdrucks- und einer Inhaltsseite: Man kann sich keine Vorstellung der Sprache denken, die statischer w\u00e4re und weniger dem entspr\u00e4che, was sie zu beschreiben vorgibt. 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